Leben auf Sicht

#4 Wertekonflikte - mit Doris Andreatta

Episode Summary

Ein pädagogisches Team in einem Kindergarten ringt damit, sein Leitbild aus Wertschätzung, Respekt und Vertrauen im Alltag wirklich zu leben und einen Konflikt um Regeln im Außenbereich zu lösen. Psychosozialberaterin Doris Andreatta begleitet das Team mit positiver Psychologie, systemischem Blick und soziokratischen Methoden, um aus einem Streit um eine Nestschaukel eine geklärte Balance zwischen Sicherheit und Autonomie der Kinder zu machen. Durch Visualisierung, klare Wertearbeit, bewusste Stille und das Ernstnehmen von Widerstand entsteht Schritt für Schritt ein gemeinsam getragenes Regelwerk und mehr Verbundenheit im Team.

Episode Notes

Diese Folge von "Leben auf Sicht" erzählt die Geschichte eines Kindergarten‑Teams, dessen Leitbild „Wertschätzung, Respekt, Vertrauen“ im Alltag ins Wanken gerät, als ein Konflikt über Regeln im Garten eskaliert. Doris Andreatta beschreibt ihren Berufsweg von der leidenschaftlichen Pädagogin zur psychosozialen Beraterin mit Schwerpunkt positive Psychologie und systemischem Ansatz und betont lebenslanges Lernen. Im Zentrum steht eine Team‑Supervision, die mit einem ressourcenorientierten Einstieg („Was funktioniert gut, worauf sind Sie stolz?“) beginnt, bevor auf Schwierigkeiten und Konflikte geschaut wird. Andreatta arbeitet mit Werteklärung: Das Team entwickelt in einem strukturierten Prozess aus vielen Begriffen drei gemeinsame Werte‑Säulen, die später als Kompass im Konflikt dienen. Der konkrete Streit um die Nestschaukel zeigt die Spannbreite zwischen strengen Sicherheitsregeln und dem Wunsch nach Selbstverantwortung und Freiraum für Kinder, die in eine balancierte Minimalregel übersetzt wird. Methodisch setzt Andreatta auf soziokratische Runden, Visualisierung mit Kärtchen am Boden, bewusste Pausen und Stille sowie auf klare Vereinbarungen, dass jede Person ihrer Stimme Verantwortung gibt – auch fürs Schweigen. Sie zeigt, wie sie mit „ehrenwerten Hindernissen“, also stark widerständigen Einzelpersonen, arbeitet, indem sie deren gute Gründe würdigt, Beziehung anbietet und gleichzeitig die Gruppe im Blick behält. Zum Schluss gibt sie den Hörer:innen mit auf den Weg, bei Spannungen genauer zu prüfen, ob es „nur“ um To‑dos oder um dahinterliegende Werte geht, und als persönliche Haltung: auf das halbvolle Glas zu schauen.