Was passiert, wenn Führungskräfte zwar wissen, was zu tun wäre, aber keine Energie und keine Ressourcen mehr dafür haben? Barbara Kaufmann spricht mit dem psychosozialen Berater Robert Schmidt über Selbstführung, Rollenklarheit und realistische Prioritäten in belasteten Organisationen. Anhand eines Falls aus der Kinder- und Jugendhilfe wird deutlich, wie Teams durch offene Reflexion und konkrete Entlastung wieder handlungsfähig werden können.
Moderatorin Barbara Kaufmann spricht mit dem psychosozialen Berater Robert Schmidt über Führungsarbeit in Gruppen, Teams und Organisationen. Ausgangspunkt ist eine Organisation der Kinder- und Jugendhilfe, deren Führungskräfte durch Personalengpässe, hohe Auslastung und emotional fordernde Arbeit zunehmend erschöpft sind. Robert Schmidt erklärt, dass eine gewünschte Führungskräfte-Schulung nicht automatisch die richtige Antwort ist, wenn es den Beteiligten vor allem an Energie, Orientierung und Handlungsspielraum fehlt.
Er beschreibt Selbstführung als die Fähigkeit, eigene Werte, Ziele, Ressourcen und Grenzen zu reflektieren und daraus ein handlungsfähiges Selbstmanagement zu entwickeln. Unter anhaltendem Druck können Führungskräfte in einen reaktiven Zustand geraten, in dem sie nur noch auf akute Anforderungen reagieren und ihre eigene Gestaltungsfähigkeit verlieren. In den Workshops wurde zunächst jeder Stimme Raum gegeben, bevor konkrete Themen wie Entlastung, Rollenklärung, Aufgabenpriorisierung und verfügbare Ressourcen bearbeitet wurden.
Schmidt betont, dass emotionale Reaktionen in solchen Prozessen kein Störfall sein müssen, sondern ein Zeichen für Offenheit sein können, sofern sie professionell begleitet werden. Als praktische Schritte nennt er regelmäßige Führungsreflexion, klare Zuständigkeiten, das Überprüfen von Qualitäts- und Rollenbeschreibungen sowie kurze Entspannungsübungen im Arbeitsalltag.
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